China verschnupft die Aktienmärkte

Nein, keine neue Corona-Mutation „Made in China“ die dieser Tage die Aktienmärkte verschnupft, sondern staatliche, chinesische Eingriffe in den Privatsektor. Was ist geschehen? Die chinesische Regierung hatte am Wochenende eine Reform des privaten Bildungssektors angekündigt, wonach Unternehmen, die Schullehrprogramme anbieten, weder Gewinne erzielen, noch an die Börse gehen dürfen. Daraufhin fiel der Hang-Seng-Index in Hongkong seit Wochenbeginn um 8 Prozent.

Das allein erklärt aber nicht die anhaltenden Kurskorrekturen an Chinas Börsen und in abgeschwächter Form auch an den internationalen Handelsplätzen. Bereits in den Wochen und Monaten davor hatte Peking mehrere chinesische Internetunternehmen aufs Korn genommen und strengere Regeln angekündigt. Der Internetriese Alibaba wurde bereits im April mit einer Rekordstrafe von rd. 2,3 Mrd. Euro belegt und musste den Börsengang seiner Finanztochter Ant Group absagen. Eine volle Breitseite erhielt der Fahrdienstleister Didi Chuxing kurz nach dem IPO Ende Juni an der NASDAQ. Die chinesischen Behörden stoppten aus Sorge um den Datenschutz die Neukundenakquise in allen App-Stores und schickten die Aktie dadurch in den freien Fall.

Die rigorosen Eingriffe der chinesischen Regierung in den Kapitalmarkt verunsichert die Marktteilnehmer zunehmend auch international, zumal hier nicht irgendeine Bananenrepublik agiert, sondern die zukünftige Nr. 1 der Wirtschaftsnationen.

Eine aktuelle Einschätzung zum China-Crash gab es gestern auch in einer Diskussionsrunde auf dem jungen YouTube-Kanal BörsenBunchTV mit Prof. Dr. Holger Fink als Gast. Vielleicht schauen Sie mal rein.

Zum Newsletter anmelden

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen
Newsletter vom 28. Juli 2021

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

Geld oder Leben?

Wie viel seines Geldes soll man eigentlich in Aktien stecken? Eine wichtige Frage – und jeder beantwortet sie anders. Da reichen die Meinungen von „kleine Restbeträge“ bis hin zu „alles, was geht“.

So gibt es seit einiger Zeit eine wachsende Bewegung namens „fire“. Diese vor allem jungen Menschen sind von den Möglichkeiten der Börse begeistert und deshalb felsenfest überzeugt, dass sie schon mit Mitte 40 in Rente gehen werden. Dafür schränken sie ihr Leben massiv ein und sparen sich buchstäblich jeden Cent vom Munde ab, um ihn in Aktien zu stecken.

Andererseits kenne ich auch Anleger, die maximal das Weihnachtsgeld an die Börse tragen, weil sie sich gern Urlaube, Restaurantbesuche oder ein schönes Hobby gönnen. Beides geht aus meiner Sicht in Ordnung. Das Wichtigste ist, dass man mit seiner Investmentstrategie gut schlafen kann. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle vor einer falschen Einschätzung der Börse warnen – und das gilt in beide Richtungen!

Wer schon die Rente mit 40 vor Augen hat, weil er auf allzeit hohe und verlässliche Aktienrenditen setzt, der könnte enttäuscht werden. Schließlich gibt es am Aktienmarkt keine Garantien, schon gar nicht mit den falschen Titeln im Depot. Die meisten, die im Jahr 2000 im Überschwang all ihr Geld am Neuen Markt investiert haben und schon innerlich gekündigt hatten, arbeiten heute immer noch. Und auch künftig kann es natürlich jederzeit eine Phase ohne steigende Kurse geben. Wer dann die finanzielle Freiheit dahinschwinden sieht, gerät leicht in Panik und macht umso eher Fehler.

Auf der anderen Seite ist es aber auch bedauerlich, wenn manche Menschen die Börse weit unter ihren finanziellen Möglichkeiten nutzen. Zum einen, weil mit den richtigen Aktien im Depot die Kurse auf lange Sicht weitersteigen dürften, zum anderen wegen der Dividenden. Je mehr Aktien im Depot liegen, desto mehr Gewinnbeteiligung kassiert man logischerweise. Legt man dieses Geld regelmäßig zusätzlich wieder an, dann entsteht über die Zeit ein regelrechter Zinseszins-Turbo im Portfolio. Es lohnt sich also doppelt und dreifach, wenn man tatsächlich verfügbares Geld auch wirklich in Aktien steckt!

Geld oder Leben? Diese Entscheidung muss beim Investieren letztlich jeder für sich selbst treffen. Als langjähriger Börsenpraktiker möchte ich Ihnen aber folgenden Tipp mit auf den Weg geben: Halten Sie die Börse nicht für berechenbar, aber wissen Sie um Ihre langfristige Kraft – und nutzen Sie diese! Denn dann haben Sie irgendwann hoffentlich viel Geld UND können gut leben …

In diesem Sinne
Ihr

Joachim Brandmaier

Newsletter vom 28. Juli 2021

Joachim Brandmaier–Börsenpraktiker 
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

Zum Newsletter anmelden

Abseits gewohnter Anleihe-Pfade

Anleihen galten über Jahrzehnte als Renditegarant ohne großes Risiko. Doch das ist Geschichte. Nullzinspolitik und Verwahrentgelte machen Geld heute teuer. Diese Entwicklung fordert Investoren förmlich dazu auf, kreative Anlagelösungen abseits der ausgetretenen Anleihe-Pfade zu finden, ohne dabei das Risiko signifikant zu erhöhen.

Festverzinsliche Wertpapiere waren jahrzehntelang Kernbestandteil im strategischen Vermögensaufbau von Institutionellen und Privaten. Das seit Jahren anhaltende Niedrigzinsumfeld hat jedoch dazu geführt, dass gerade Anleihen guter Bonität und damit geringem Risiko quasi nur noch eine Nullnummer sind oder gar eine Negativrendite erbringen. Nimmt man noch die Inflation hinzu, sieht die Wertentwicklung im Wertpapierbestand noch düsterer aus. Was aus Investorensicht negativ ist, wirkt sich für Staaten und Unternehmen guter Bonität, die sich am Kapitalmarkt über Anleihen refinanzieren, wiederum außerordentlich positiv aus: Sie können sich nahezu kostenfrei mit frischem Kapital eindecken. Wer zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland für 5 Jahre 20.000 Euro leiht, muss für die sichere Aufbewahrung seines Geldes derzeit jedes Jahr 0,6 Prozent Negativzinsen draufzahlen. Aus investierten 20.000 Euro werden nach 5 Jahren 18.800 Euro. Bei einer angenommenen Preissteigerungsrate von 2,3 Prozent pro Jahr, bleiben dann sogar nur noch 16.500 Euro übrig.

Unsere Anleihespezialisten haben angesichts dieser bedenklichen Entwicklung Strategien entwickelt, die über den traditionellen Tellerrand hinausblicken. Dabei nutzen wir Opportunitäten von Neuemissionen am Anleihemarkt und am Markt für Kreditausfallversicherungen, die beide eine auskömmliche Rendite bei geringem Risiko erzeugen. Wenn ein Unternehmen eine neue Anleihe am Neuemissionsmarkt begibt, zahlt es Investoren als Anreiz eine höhere Rendite als für bereits ausstehende Anleihen. Diese Überrendite kann systematisch abgeschöpft werden. Privatanlegern bleibt diese Möglichkeit verwehrt. Kreditausfallversicherungen sind eine weitere Möglichkeit, Rendite zu generieren. Diese sind mit einer Mietbürgschaft vergleichbar, bei der der Bürge das Ausfallrisiko des Mieters gegenüber der Bank übernimmt und dafür eine Gebühr erhält. In diesem Fall erhält der Kreditversicherer eine Prämie dafür, dass er das Ausfallrisiko eines bestimmten Unternehmens übernimmt. Da wir uns ausschließlich auf Unternehmen mit einer starken Bonität konzentrieren, ist hier das Ausfallrisiko gering.

Investoren, die ihre überschüssige Liquidität ohne Strafzins zwischenparken wollen und eine Anlagestrategie suchen, die Anleihen höchster Bonität mit Neuemissionsprämien und Kreditausfallversicherungen kombiniert, sollten sich den nordIX Treasury plus (ISIN: DE000A2DKRH6) anschauen. Dieser, mit der Donner & Reuschel AG aufgelegte Fonds, ist an der Hamburger Börse gelistet. Er wurde vor kurzem um eine Tranche erweitert, die auch Privatanlegern dieses attraktive Anlagekonzept zugänglich macht. Unabhängig von Zins- und Kapitalmarktentwicklung verfolgen wir das Ziel, einen planbaren Ertrag zu erwirtschaften und unseren Investoren jeweils halbjährlich eine Ausschüttung zukommen zu lassen. In den letzten Jahren lag diese auf das Gesamtjahr bezogen zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Deutlich mehr als die angesprochene Null und das bei einem niedrigem Risikoprofil.

Newsletter vom 21. Juli 2021

Claus Tumbrägel – Vorstand
nordIX AG

Zum Newsletter anmelden

Überrascht von der Flutwelle

Warnungen vor Börsen-Unwettern kommen so oft und regelmäßig, dass nur Wenige ihnen Aufmerksamkeit schenken und ihr Handeln danach ausrichten. Im ersten Halbjahr schien überwiegend die Sonne auf dem Parkett und aufziehende Wolken verschwanden meist schnell wieder. So hatte es sich der DAX im zweiten Quartal, von ein paar kurzen Gewittern im Mai abgesehen, bequem gemacht und plante selbstbewusst neue Hochs in Richtung 16.000 Punkte. Zwei negative Handelstage zum Ende letzter Woche kamen unauffällig daher, doch am Montag wurden viele Investoren schon von der Kurslücke zur Eröffnung überrascht und konnten einer ansteigenden Verkaufswelle zusehen.

Bis zu 3 Prozent und am Ende über 400 Punkte Minus im DAX hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Auch von den US-Märkten kam nur wenig Hilfe. So ließen sich einige Anleger in einen Strom von negativen Nachrichten, fallenden Kursen und düsteren Prognosen mitreißen. Zu Recht? Das wird sich erst noch zeigen. Gestern entspannte sich die Lage wieder und der Dow Jones hat seine Verluste von Montag kräftig aufgeholt. Doch solche Extremlagen können in Zukunft öfters auftreten. Deshalb gilt es Vorsorge zu treffen und einen kühlen Kopf zu bewahren. 

Wir sollten nach den ganz realen Unwetter-Katastrophen der letzten Woche erkennen, dass uns die Börsenbewegungen zwar groß und mächtig erscheinen, aber unsere von Menschenhand geschaffenen Dinge – und sogar unser Leben selbst – den unvorstellbaren Kräften der Natur manchmal hilflos ausgeliefert sind. Wir hoffen, es geht Ihnen allen gut.

Zum Newsletter anmelden
Newsletter vom 21. Juli 2021

Ihr Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

Sind die Aktien nun billig oder teuer?

Bei dieser Frage scheiden sich nicht etwa die Geister, aber die Meinungen der Experten. Die einen schätzen das Bewertungsniveau bereits als historisch hoch ein, andere dagegen sehen trotz historischer Höchststände bei DAX & Co. noch günstige Einstiegschancen. Beim DAX lag das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis in den vergangenen 30 Jahren bei 19 (aktuell 19,1), beim Dow Jones in den letzten 36 Jahren bei immerhin 25 (aktuell 28,1). Daraus könnte man jetzt voreilig den Rückschluss ziehen, dass ein Über- oder Unterschreiten dieser Durchschnittswerte auf eine hohe bzw. günstige Bewertung hindeuten. Wobei zu beachten ist, dass ein KGV-Niveau immer branchenspezifisch als hoch oder niedrig gilt und der Zuwachs von Technologieaktien in den Leitindizes den historischen Durchschnitt verschiebt.

Die PEG-Ratio kann hier Abhilfe schaffen, setzt sie doch das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum der Folgejahre. Dabei gilt als fair bewertet, wer eine Wachstumsrate in Höhe des KGV vorweisen kann, die PEG liegt dann bei 1. Somit gelten PEGs unter 1 als attraktiv, über 1 signalisieren sie eine Überbewertung. Was bedeutet das nun für DAX & Co.? Je höher die Kurse steigen und mit ihnen das KGV, desto stärker muss auch das prozentuale Gewinnwachstum der Unternehmen ausfallen. Bei einem KGV des Marktes von 20 müssen somit auch die Gewinne in den folgenden 3 bis 5 Jahren um 20 Prozent p.a. steigen, das heißt sie müssen sich innerhalb von 4 Jahren verdoppeln! Ist das realistisch, trotz Nachholeffekten, niedriger Zinsen und Liquiditätsschwemme? In dem Moment, wo das Gewinnwachstum nicht mehr Schritt halten kann, ist die Kurskorrektur am Markt nicht mehr fern. So einfach ist das Spiel an der Börse – zumindest in der Theorie!

Zum Newsletter anmelden
Newsletter vom 14. Juli 2021

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

Inflation durch Sondereffekte getrieben

Steigende Preise beschäftigen derzeit die Menschen und die Kapitalmärkte. Doch es besteht kein Grund zur Sorge, denn noch ist das Bild pandemiebedingt verzerrt. Sparer können sich gut mit einem ausgewogenen Depot schützen, das über viele Anlageklassen streut, und erhalten so zugleich Chancen auf attraktive Erträge.

Wie werden sich die Preise in Deutschland entwickeln? Union Investment, der Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG, hat dazu im Mai dieses Jahres 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten in Deutschland befragt. Dabei ist der Anteil derjenigen, die mit stark steigenden Preisen rechnen, mit 23 Prozent auf ein neues Maximum im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Leicht steigende Preise erwarten mit 66 Prozent ebenfalls mehr der Befragten als vor einem Jahr. Mit acht Prozent erreicht der Anteil derjenigen, die mit gleichbleibenden Preisen rechnen, sogar einen historischen Tiefstwert.

Tatsächlich legte die Inflation jüngst auch zu. Im Mai zog sie in Deutschland im Monatsvergleich um 0,5 Prozent an, in der Eurozone um 0,3 Prozent. Das entspricht einer Jahresrate von 2,4 Prozent (EU-harmonisiert). Deutet dieser Anstieg nun auf eine langfristig höhere Inflation hin?

Nach Ansicht des Fondspartners zeigen die aktuell höheren Preise, dass die Nachfrage etwa nach Konsumgütern aufgrund der Wiederöffnung der Volkswirtschaften – begründet im Erfolg der Impfkampagnen – rasant zunimmt. Das Angebot könne damit kurzfristig nicht Schritt halten. Dies dürfe sich aber in den kommenden Monaten wieder beruhigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ die Zinsen auf ihrer jüngsten Sitzung am 10. Juni zunächst auch unangetastet.

Union Investment rechnet mit knapp vier Prozent gegen Ende 2021 mit dem Höhepunkt der Teuerung in Deutschland. Die Ursachen dafür seien einerseits etwa die gestiegenen Energiepreise. Andererseits falle dann der Effekt der reduzierten Mehrwertsteuer aus dem zweiten Halbjahr 2020 ins Gewicht. Diese und weitere Faktoren liefen aber in der ersten Hälfte 2022 aus. Union Investment erwartet dann eine deutlich niedrigere Inflationsrate um zwei Prozent.

Attraktivere Zinsen dürften damit noch länger auf sich warten lassen. Für den Vermögenserhalt und -aufbau führt daher an Aktien kein Weg vorbei, auch wenn damit Kurs- und Ertragsrisiken verbunden sind. Außerdem gilt: Der beste Schutz vor Inflation ist eine breite Streuung des Vermögens über verschiedene Anlageklassen. Dies lässt sich gut über aktiv gemanagte Fonds realisieren.

Newsletter vom 14. Juli 2021

Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

Zum Newsletter anmelden

Jahresziele schon im Sommer erreicht?

Das erste Börsenhalbjahr 2021 ging mit ordentlichen Kurszuwächsen in die Bücher. Der DAX notierte 13,1 Prozent höher als Ende 2020, der MDAX folgte mit 10,6 Prozent knapp dahinter. Und auch sonst liegen bis auf Bundesanleihen und Gold praktisch alle großen Assetklassen im grünen Bereich: Die Eurozone war 15,8 Prozent stärker und der amerikanische S&P 500 sogar 18,8 Prozent im Plus, während sich das Kurswachstum in den Emerging Markets mit 11 Prozent etwas verlangsamte und in Japan bei 1,4 Prozent stockte.

Viele Jahresprognosen bei den Indizes sind stand heute schon erfüllt. Also war es das schon für 2021? Sicher nicht! In vielen Branchen ist noch Aufholpotenzial vorhanden. Trotz immer neuer Seitwärtsphasen in den Indizes ist von Langeweile an der Börse wenig zu spüren, sodass der Sommer zumindest an der Börse noch heiß werden kann. Es hat sich gezeigt, das echte Ausbrüche dynamisch verlaufen. Das Gleiche gilt bekanntlich für Virus-Varianten und das griechische Alphabet zählt übrigens 24 Buchstaben.

Die enorme Geldmenge, rekordverdächtig viele Börsengänge und verstärkte Aktivitäten der stetig wachsenden Gruppe von Kleinanlegern können die Börsen in jede Richtung treiben – auch oder gerade bei sinkenden Umsätzen in den Sommermonaten. Bleiben Sie auf der Hut und ruhen Sie sich nicht auf dem Erreichten aus!

Zum Newsletter anmelden
Newsletter vom 07. Juli 2021

Ihr Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

Goldilocks-Economy? Nicht ganz…

Aktuell befinden sich die Corona-Neufallzahlen in vielen europäischen Staaten auf niedrigen Niveaus, was eine wesentliche Voraussetzung für die breite, nahezu alle Segmente der Wirtschaft umfassende Erholung ist. Allerdings zeigt der zunehmende Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen – und die steigenden Fallzahlen in Großbritannien und Portugal – dass das Auftreten neuer Varianten auch zu erneuten Shutdowns und damit wirtschaftlichen Rückschlägen führen kann.

Zuletzt war im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung vermehrt von einer Goldilocks-Economy die Rede – also dem bestmöglichen Zustand einer Volkswirtschaft mit positiven Wachstumsraten, dynamischen Investitionen und Konsum, moderater Inflation, niedrigen Zinsen und hoher Beschäftigung. Diese Kombination gab es zuletzt Ende 2017 in Deutschland, Teilen der Eurozone und in den USA.

Tatsächlich sind die globalen Wachstumsperspektiven für 2021 und 2022 angesichts des Aufschwungs nach der Coronakrise sehr positiv. In Europa unterstützt – neben der schon lange boomenden Industrie – zunehmend auch der Konsum die Konjunktur, nicht zuletzt aufgrund nur moderat gestiegener und zuletzt sinkender Arbeitslosenquoten.

Allerdings sind derzeit auch deutliche Unwuchten erkennbar, die vor allem aus den immer stärker zunehmenden Engpässen bei Zulieferungen, Rohstoffen und Transportkapazitäten resultieren. Viele Unternehmen müssen ihre Produktion deshalb drosseln, obwohl die Nachfrage extrem hoch ist. Erkennbar sind diese ökonomischen Verzerrungen durch den Vergleich des derzeit rekordhohen Auftragsbestands im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland und der immer noch leicht unter dem Vorkrisenniveau rangierenden Industrieproduktion (Produktions-/Nachfragelücke).

Auch die resultierenden erheblichen Produktionskostenexplosionen sprechen gegen das Bild einer Goldilocks-Economy, denn sie beschleunigen den zuletzt deutlich gestiegenen Trend zu höheren Inflationsraten. Vor allem in den USA wird die ohnehin höhere Inflationsdynamik durch ein Auseinanderklaffen von moderatem Angebot und stark gestiegener Nachfrage am Arbeitsmarkt untermauert. Viele Menschen bevorzugen derzeit die nach wie vor hohe staatliche Arbeitslosenunterstützung oder können die nachgefragten Qualifikationen nicht vorweisen. Daher sind Unternehmen oftmals nur unter Inkaufnahme von höheren Lohnzahlungen in der Lage, freie Stellen zu besetzen.

Für die meisten Aktienindizes dürften die Zeiten hoher zweistelliger Kurszuwächse innerhalb kürzester Zeit damit vorerst einmal beendet sein. Vielmehr ist im zweiten Halbjahr 2021 mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen, wenngleich die grundsätzlichen Perspektiven für Aktien angesichts des anstehenden globalen Aufschwungs generell positiv bleiben.

Newsletter vom 07. Juli 2021

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

Zum Newsletter anmelden

Das tut weh!

Nein, nicht etwa das aktuelle Marktgeschehen einschließlich Inflation tun weh, sondern das Ausscheiden unseres EM-Fußballteams. Mit viel Glück die Vorrunde überstanden kam gestern der Showdown und das ausgerechnet auch noch gegen England. Ich will die Einzelheiten jetzt nicht kommentieren, aber es war ernüchternd und erinnerte mich an die WM 2018. Die Schuld allein dem Coach in die Schuhe zu schieben ist einfach und beliebt, aber nicht wirklich fair. Letztendlich stand er am Spielfeldrand und 11 Profikicker hätten es in 90 Minuten reißen können! Nun ja, jetzt freuen sich alle über vorgezogene Ferien. Zurück zu den Märkten: Wieder liegt eine bewegte Woche hinter uns. Der DAX konnte sein Hoch vom 15. Juni bei 15.730 Punkten nicht mehr toppen, hält sich jedoch seit Tagen oberhalb von 15.500 Punkten. Der Dow Jones zeigt sich ebenfalls stabil und der Nasdaq marschiert seit Tagen von einem Hoch zum nächsten. Das Inflationsgespenst ist noch da, hat aber etwas seinen Schrecken verloren. Vielleicht haben wir es ja tatsächlich mit einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung der Notenbanken zu tun, nach der es sich nur um ein vorübergehendes Phänomen handeln soll. Der USD zeigt sich gegenüber dem EUR seit Anfang Juni deutlich fester, allein das Gold schwächelt. Seit dem Zwischenhoch bei 1.908 USD Anfang Juni hat die Goldunze rund 150 USD verloren, das ist ein Minus von 8 Prozent.
Es bleibt spannend, bleiben Sie am Ball, auch wenn die EM für uns bereits gelaufen ist.

Zum Newsletter anmelden
Newsletter vom 30. Juni 2021

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

Der Ausblick auf das 2. Halbjahr 2021: Das war es noch lange nicht!

Noch arbeiten wir uns an der Neubewertung der US-Notenbank FED zur Inflations- und Zinspolitik ab. Noch wissen wir nicht, welche Auswirkungen die indische Delta-Variante des Corona-Virus bei uns haben kann. Noch wissen wir nicht wer Kanzler*in kann. Auch wissen wir nicht, ob wir mehr Substanz- oder Wachstumsaktien haben wollen.

Aber wir wissen, dass wir froh sind, dass wir endlich wieder über Inflation sprechen und schönes Konjunkturwachstum haben. Wie lange haben wir Deflation und sinkende Unternehmensgewinne in Europa gefürchtet? Ja, und endlich steigen die Zinsen auch wieder ein bisschen und die USA versuchen vorsichtig einen Zinswendeprozess einzuleiten. Hurra, haben wir uns das nicht schon lange herbeigesehnt? Zudem können wir annehmen, dass zugelassene Impfstoffe gegen schwere Verläufe der indischen Delta-Variante helfen. Wir hoffen deshalb, dass wir die Läden zum Herbst/Winter nicht wieder schließen müssen. Und auch die Bundestagswahl macht mir Mut. Eine Koalition der bürgerlichen Mitte scheint das angesagte und angebrachte Basisszenario zu sein. Die Farbenkonstellation wird sich jedoch ändern und hoffentlich frischen Schwung in das eingerostete, politische Establishment bringen. Mut haben, liebe Politiker. Den Firmen und Bürgern weniger Bürokratie und Steuern zumuten. Dann klappt das auch mit Wachstum und Umwelt zugleich, wenngleich die Schulden zunächst steigen müssen. Wieso soll Deutschland immerwährend sparen, während andere Euroländer reichlich ausgeben? Und das auch noch vor dem Hintergrund von Bundesanleihen, die dem Finanzminister derzeit einen positiven Zinssaldo bieten. Die „Null“ muss beim Fußball stehen, derzeit aber nicht bei der Neuverschuldung, wenn es um bitter notwendige Zukunftsinvestitionen geht. Bitte nicht zu früh anfangen zu sparen, denn spätestens in den nächsten fünf Jahren entscheiden sich die Weltmarktanteile bei umweltfreundlichen und intelligenten Technologien und Rohstoffen. Wir müssen jetzt dabei sein und investieren!

Wir empfehlen mit Blick auf das 2. Halbjahr ganz eindeutig „long“ in Aktien zu sein, obschon wir zunächst die Berichtssaison zum 1. Halbjahr 2021, die Mitte Juli beginnt, als herausfordernd ansehen. Hohe Rohstoffpreise werden Hier und Da den Gewinnen zusetzen. Rückschläge im Sommer sollten u. E. aber eindeutig zum Nachfassen genutzt werden. Es bleibt unsere Devise: „buy the dip“ („Kaufe zu bei Rücksetzern“), denn eine Inflation in den USA im Rahmen von +2 bis sogar +6 Prozent spricht unter Schwankungen im historischen Kontext für die Aktienanlage. Auch Rohstoffe wären dann als Inflationsabsicherung gefragt, während Gold und Anleihen mit zunehmender Zinserhöhungsfantasie leiden würden.

Gewisses Nachholpotenzial bei Aktien sollte als Region Asien haben. Asien hat im ersten Halbjahr aufgrund chinesischer Regulierungswut und falscher Impfstrategie u. a. in Japan enttäuscht. Es ist daher wichtig in Asien in die ganze Breite der Länder (Vietnam, Taiwan, Südkorea, Indien) zu investieren und nicht nur auf China zu setzen. In den USA dürften weiterhin die Investmentbanken und Tech-Werte als Branchenführer dominieren. Allerdings präferieren wir die 2. Reihe der US-Techs und Chipwerte, denn die US-Politik macht den „Big Five“ (Amazon, Facebook, Apple, Alphabet, Microsoft) gehörig Feuer, denn das neue Wettbewerb-Regulierungsprogramm heißt „Grenade“ (Granate) und will die Vormachtstellung derer brechen.

In Europa lösen Konsum und Dienstleistungen den Industrie- und Bausektor als Lokomotive ab. Unsere Favoriten sind daher Sportartikel, Freizeit- und Logistikwerte aus Deutschland, Privatbanken aus Skandinavien und Südeuropa, die von wiederaufkommender Dividendenfantasie profitieren, und der in China vielgeliebte Luxuskonsum aus Frankreich. Als Kirsche gibt es dann noch Basisleckereien aus der Schweiz (Schoki, Käse und Eis) und natürlich Pharmazie (Medizin- und Biotechnologie).

Im Grunde allokieren wir also nicht in Wachstum- ODER Substanzwerte, sondern in Wachstum UND Substanzwerte. Kurzfristigen Trendwetten hinterher zu rennen macht u. E. keinen Sinn, kostet nur Nerven und Geld, denn: „Hin und Her macht Taschen leer“. Für den DAX sehen wir tatsächlich Potenzial bis Jahresende von 16.600 Punkten bei einem zwischenzeitlichen Risiko von 14.600 Punkten. Damit sind wir optimistischer als der Konsens unterwegs, aber wir haben gute Gründe. Als Sahnehäubchen bekommen wir ab September auch noch 10 neue, sehr interessante DAX-Werte hinzu. Kurzum: Das war es noch lange nicht.

Wichtige Hinweise

Marketingmitteilung
Diese Publikation ist eine Marketingmitteilung der Oldenburgische Landesbank AG im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes.

Kein Angebot, keine Beratung
Diese Information enthält kein Angebot zum Erwerb oder zur Zeichnung der darin genannten Wertpapiere und auch keine Einladung zu einem solchen Angebot. Die geäußerten Meinungen geben unsere aktuelle Einschätzung wieder, die sich auch ohne vorherige Bekanntmachung ändern kann. Diese Information kann eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers und seine Anlageziele abgestellte Beratung nicht ersetzen.

Adressat
Die hier wiedergegebenen Informationen und Wertungen („Information“) sind ausschließlich für Kunden, die Ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben, bestimmt. Insbesondere ist diese Information nicht für Kunden und andere Personen mit Sitz oder Wohnsitz in Großbritannien, den USA, in Kanada oder Asien bestimmt und darf nicht an diese Personen weitergegeben werden oder in diese Länder eingeführt oder dort verbreitet werden. Dieses Dokument einschließlich der darin wiedergegebenen Informationen dürfen im Ausland nur in Einklang mit den dort geltenden Rechtsvorschriften verwendet werden. Personen, die in den Besitz dieser Information gelangen, haben sich über die dort geltenden Rechtsvorschriften zu informieren und diese zu befolgen.

Keine Gewährleistung
Die Informationen wurden sorgfältig recherchiert und beruhen auf Quellen, die die Oldenburgische Landesbank AG als zuverlässig ansieht. Die Informationen sind aber möglicherweise bei Zugang nicht mehr aktuell und können überholt sein. Auch kann nicht sichergestellt werden, dass die Informationen richtig und vollständig sind. Die Oldenburgische Landesbank AG übernimmt für den Inhalt der Information deshalb keine Haftung.

Kursentwicklung
Zurückliegende Kursentwicklungen können für die zukünftige Entwicklung nicht gewährleistet werden. Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft.

Newsletter vom 30. Juni 2021

Carsten Brömstrup – Chefanalyst
Oldenburgische Landesbank AG

Zum Newsletter anmelden