Der Ausblick auf das 2. Halbjahr 2021: Das war es noch lange nicht!

Noch arbeiten wir uns an der Neubewertung der US-Notenbank FED zur Inflations- und Zinspolitik ab. Noch wissen wir nicht, welche Auswirkungen die indische Delta-Variante des Corona-Virus bei uns haben kann. Noch wissen wir nicht wer Kanzler*in kann. Auch wissen wir nicht, ob wir mehr Substanz- oder Wachstumsaktien haben wollen.

Aber wir wissen, dass wir froh sind, dass wir endlich wieder über Inflation sprechen und schönes Konjunkturwachstum haben. Wie lange haben wir Deflation und sinkende Unternehmensgewinne in Europa gefürchtet? Ja, und endlich steigen die Zinsen auch wieder ein bisschen und die USA versuchen vorsichtig einen Zinswendeprozess einzuleiten. Hurra, haben wir uns das nicht schon lange herbeigesehnt? Zudem können wir annehmen, dass zugelassene Impfstoffe gegen schwere Verläufe der indischen Delta-Variante helfen. Wir hoffen deshalb, dass wir die Läden zum Herbst/Winter nicht wieder schließen müssen. Und auch die Bundestagswahl macht mir Mut. Eine Koalition der bürgerlichen Mitte scheint das angesagte und angebrachte Basisszenario zu sein. Die Farbenkonstellation wird sich jedoch ändern und hoffentlich frischen Schwung in das eingerostete, politische Establishment bringen. Mut haben, liebe Politiker. Den Firmen und Bürgern weniger Bürokratie und Steuern zumuten. Dann klappt das auch mit Wachstum und Umwelt zugleich, wenngleich die Schulden zunächst steigen müssen. Wieso soll Deutschland immerwährend sparen, während andere Euroländer reichlich ausgeben? Und das auch noch vor dem Hintergrund von Bundesanleihen, die dem Finanzminister derzeit einen positiven Zinssaldo bieten. Die „Null“ muss beim Fußball stehen, derzeit aber nicht bei der Neuverschuldung, wenn es um bitter notwendige Zukunftsinvestitionen geht. Bitte nicht zu früh anfangen zu sparen, denn spätestens in den nächsten fünf Jahren entscheiden sich die Weltmarktanteile bei umweltfreundlichen und intelligenten Technologien und Rohstoffen. Wir müssen jetzt dabei sein und investieren!

Wir empfehlen mit Blick auf das 2. Halbjahr ganz eindeutig „long“ in Aktien zu sein, obschon wir zunächst die Berichtssaison zum 1. Halbjahr 2021, die Mitte Juli beginnt, als herausfordernd ansehen. Hohe Rohstoffpreise werden Hier und Da den Gewinnen zusetzen. Rückschläge im Sommer sollten u. E. aber eindeutig zum Nachfassen genutzt werden. Es bleibt unsere Devise: „buy the dip“ („Kaufe zu bei Rücksetzern“), denn eine Inflation in den USA im Rahmen von +2 bis sogar +6 Prozent spricht unter Schwankungen im historischen Kontext für die Aktienanlage. Auch Rohstoffe wären dann als Inflationsabsicherung gefragt, während Gold und Anleihen mit zunehmender Zinserhöhungsfantasie leiden würden.

Gewisses Nachholpotenzial bei Aktien sollte als Region Asien haben. Asien hat im ersten Halbjahr aufgrund chinesischer Regulierungswut und falscher Impfstrategie u. a. in Japan enttäuscht. Es ist daher wichtig in Asien in die ganze Breite der Länder (Vietnam, Taiwan, Südkorea, Indien) zu investieren und nicht nur auf China zu setzen. In den USA dürften weiterhin die Investmentbanken und Tech-Werte als Branchenführer dominieren. Allerdings präferieren wir die 2. Reihe der US-Techs und Chipwerte, denn die US-Politik macht den „Big Five“ (Amazon, Facebook, Apple, Alphabet, Microsoft) gehörig Feuer, denn das neue Wettbewerb-Regulierungsprogramm heißt „Grenade“ (Granate) und will die Vormachtstellung derer brechen.

In Europa lösen Konsum und Dienstleistungen den Industrie- und Bausektor als Lokomotive ab. Unsere Favoriten sind daher Sportartikel, Freizeit- und Logistikwerte aus Deutschland, Privatbanken aus Skandinavien und Südeuropa, die von wiederaufkommender Dividendenfantasie profitieren, und der in China vielgeliebte Luxuskonsum aus Frankreich. Als Kirsche gibt es dann noch Basisleckereien aus der Schweiz (Schoki, Käse und Eis) und natürlich Pharmazie (Medizin- und Biotechnologie).

Im Grunde allokieren wir also nicht in Wachstum- ODER Substanzwerte, sondern in Wachstum UND Substanzwerte. Kurzfristigen Trendwetten hinterher zu rennen macht u. E. keinen Sinn, kostet nur Nerven und Geld, denn: „Hin und Her macht Taschen leer“. Für den DAX sehen wir tatsächlich Potenzial bis Jahresende von 16.600 Punkten bei einem zwischenzeitlichen Risiko von 14.600 Punkten. Damit sind wir optimistischer als der Konsens unterwegs, aber wir haben gute Gründe. Als Sahnehäubchen bekommen wir ab September auch noch 10 neue, sehr interessante DAX-Werte hinzu. Kurzum: Das war es noch lange nicht.

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Diese Publikation ist eine Marketingmitteilung der Oldenburgische Landesbank AG im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes.

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Newsletter vom 30. Juni 2021

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Branchenrotation – Autos und Banken wieder gefragt

Die Rotation der Branchen setzt sich fort. Hintergrund sind die hohen Kursgewinne der Wachstumsaktien in den letzten 1 bis 2 Jahren. Seit einigen Monaten werden diese aufgelaufenen Übergewichtungen von Wachstumswerten in den Portfolien wieder angepasst (Re-Allokation), d.h. es werden Gewinne realisiert. Vor dem Hintergrund der guten fundamentalen Daten und konjunkturellen Lage der Weltwirtschaft werden diese Gewinne allerdings nicht als Liquidität gehalten (bei Liquidität werden in der Regel Negativzinsen fällig), sondern häufig schnell wieder investiert. In der aktuellen Marktphase profitieren hiervon insbesondere zyklische Branchen, wie Automobil, Banken (Profiteuer von höheren Zinsen) und Nahrungsmittel.
Der gute Start in die aktuelle Berichtssaison mit guten Umsatz- und Gewinnentwicklungen von verschiedenen zyklischen Branchen, insbesondere aus der europäischen Autoindustrie (Profiteuer vom Boom der chinesischen Wirtschaft) oder Bankenlandschaft (Profiteur von höheren Zinsen) macht hier Hoffnung, dass das europäische Nachholpotential bei Value-Aktien (Substanzaktien) kontinuierlich gehoben wird und sich die Differenz zu den Wachstumswerten wieder normalisiert.

Aus der Grafik kann man den schwarzen Balken entnehmen, dass die Entwicklung der Value-Aktien in Europa im Jahr 2020 sehr negativ war. Dies hat sich in den letzten Monaten und insbesondere Anfang 2021 wieder deutlich verbessert. Das Aufholpotential wird hierdurch deutlich und drückt sich aktuell auch schon in den beschrieben guten Unternehmensberichten aus sowie in der kurzfristig besseren Wertentwicklung im Vergleich zu Wachstumsaktien. Wir gehen allerdings nicht von einem nachhaltigen Trendwechsel aus, erwarten allerdings eine Angleichung bzw. Normalisierung. Anleger sollten daher wieder den Blick Richtung „Value-Branchen“ werfen und diesen Aktien mehr Beachtung in den Portfolien schenken.

Ein weiterer Verstärker ist die aufkommende Zinsangst in Verbindung mit weiterhin erhöhten Bewertungen im Technologie-Bereich. Die Situation bei vielen Technologie-Aktien ist zwar nicht mit der Phase zu Beginn des Jahrtausends vergleichbar (Stichwörter: „Neuer Markt“, „Internet-Blase“, nahezu keine Technologie-Aktie machte Gewinn), allerdings besteht die Branche weiterhin aus jungen aufstrebenden Firmen, die einen hohen Kapitalbedarf haben. Bei der Ermittlung des fairen Firmenwertes und der Berechnung des heutigen Wertes der zukünftigen Gewinne (Abzinsung) verursachen höhere Zinsen rechnerisch einen geringeren Wert. Je höher also die Zinsen, desto weniger gerechtfertigt sind höhere Bewertungen.

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Newsletter vom 19. Mai 2021

Carsten Brömstrup – Chefanalyst
Oldenburgische Landesbank AG

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