Emerging Markets: Gewinner der Erholung
Von einer Normalisierung der Weltwirtschaft im Laufe des Jahres 2021 könnten die Aktienmärkte der Schwellenländer besonders profitieren. Dort ist der Anteil an klassischen Substanzwerten, die wegen der erwarteten konjunkturellen Erholung wieder gefragt sein dürften, größer als in den Industriestaaten.
Die Konjunktur sollte sich 2021 weltweit kräftig erholen, erwartet Union Investment, der Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG. Doch trotz umfangreicher Stimulusmaßnahmen in den westlichen Nationen dürften sich die aufstrebenden Volkswirtschaften als das Zugpferd der Weltwirtschaft etablieren. China etwa beeindruckt nach dem jähen Absturz der Wirtschaft bereits mit einer schnellen und kräftigen Erholung.
Blicken wir auf Aktien: Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sind die Bewertungen im historischen Vergleich inzwischen recht hoch. Dies gilt vor allem für die Industriestaaten. Titel aus den Schwellenländern handeln hingegen auf einem deutlich moderateren Niveau. Der Grund hierfür ist die unterschiedliche Ausrichtung der jeweiligen Märkte. In den entwickelten Volkswirtschaften ist der Anteil an Wachstumswerten höher. Deren Aufstieg in den letzten Jahren ist zu einem großen Teil in den rückläufigen Realrenditen begründet.
Mit den mittlerweile vorhandenen Impfstoffen haben Anleger jedoch damit begonnen, eine umfangreiche Konjunkturerholung ab Sommer 2021 einzupreisen. Dies dürfte mit leicht steigenden Renditen einhergehen, was sowohl in den USA als auch in Europa schon zu beobachten war. Wachstumswerte erscheinen dadurch weniger attraktiv, und gleichzeitig sind klassische Value-Aktien der sogenannten Old Economy wieder gefragt. Deren Anteil ist in den Schwellenländern merklich höher, weshalb sich der Bewertungsabschlag, der sich in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, verringern dürfte.
Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung steigt überdies die Nachfrage nach Energierohstoffen. So dürfte der Ölpreisanstieg trotz der jüngsten Konsolidierung anhalten. Der Großteil der Ölförderer befindet sich in den Schwellenländern, und höhere Einnahmen aus dem Verkauf erhöhen dort den Spielraum für mögliche Fiskalmaßnahmen. Es gibt also einige Gründe, die für ein Aktienengagement in den Schwellenländern sprechen. Über geeignete Geldanlagen und ihre Chancen und Risiken informiert die Hannoversche Volksbank gerne.

Newsletter vom 12. Mai 2021
Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

Die Stimmung ist (zu) gut
Der Optimismus der Aktienanleger ist groß. Dafür gibt es auch gute Gründe. Die Weltkonjunktur und mit ihr die Unternehmensgewinne werden sich in diesem und im kommenden Jahr von der Corona-Pandemie erholen. Gleichzeitig pumpen Regierungen und Notenbanken mehr Geld als je zuvor in die Wirtschaft. Und auch von den Konsumenten darf ein selten starker Wachstumsimpuls erwartet werden, wenn es nach einem Jahr, in dem rekordverdächtig gespart wurde, wieder mehr Möglichkeiten zum Geldausgeben gibt.
Das Geldvermögen der Privathaushalte ist in vielen Ländern, darunter USA und Deutschland, stark gestiegen. Und aktuell fließt mehr als sonst davon in die Aktienmärkte. Anfang Februar beobachtete die Bank of America mit 58,1 Milliarden Dollar in nur einer Woche die größten jemals gemessenen Zuflüsse in Aktienfonds. Auch der „Bull and Bear“-Indikator der Bank of America zeigt gefährlich hohen Optimismus: Der Indikator erreichte mit einem Wert von 7,7 auf einer Skala bis zehn den roten Bereich. Auch die Experten von Goldman Sachs beobachten seit Monaten steigende Risikobereitschaft und Sorglosigkeit.
Das Put/Call-Ratio passt mit seinem historisch niedrigen Niveau ins Bild: Das Interesse an Verkaufsoptionen ist im Verhältnis zur Zahl der gehandelten Kaufoptionen gering. Verkaufsoptionen (Puts) werden in Erwartung fallender Kurse gekauft, sei es zu Absicherungszwecken oder um bei fallenden Kursen Gewinne zu erzielen. Kaufoptionen (Calls) werden dagegen in Erwartung steigender Kurse gekauft. Eine Mehrheit rechnet also fest mit weiter steigenden Aktienkursen, während nur wenige Anleger auf fallende Kurse gut vorbereitet wären.
Der gefährlich hohe Optimismus hat auch die Fondsmanager erfasst. Für den „Fund Manager Survey“ befragt die Bank of Amerika weltweit jeden Monat gut 200 professionelle Fondsmanager. 91 Prozent der befragten Profi-Investoren glauben daran, dass sich die Wirtschaft weiter erholt. So hoch waren die Konjunkturerwartungen noch nie in der 26-jährigen Geschichte des „Fund Manager Survey“. Die Fondsmanager haben im Februar ihre Kassenquote auf durchschnittlich nur noch 3,8 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Stand seit acht Jahren.
Dieser hohe Optimismus gilt als gefährlich für die Börsen, weil schon wenige schlechte Nachrichten die hohen Erwartungen enttäuschen könnten und viele Anleger „auf dem falschen Fuß erwischen“ würden. Timing mittels solcher Stimmungsanalysen ist allerdings schwierig: Hoher Optimismus von Investoren kann monatelang anhalten.
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
